Selbsthilfegruppen fallen nicht wie ein Geschenk vom Himmel

Sie müssen gegründet und geleitet werden.

Die LAG hat sich zum Ziel gesetzt, flächendeckend in Schleswig-Holstein die Gründung von Selbsthilfegruppen zu fördern und zu unterstützen.
Pressemitteilungen, eine Telefonsprechstunde und die Broschüre "Tipps und Ratschläge für die Gründung und Leitung von Herz-Kreislauf-Selbsthilfegruppen" sollen Betroffene, die sich berufen fühlen eine Selbsthilfegruppe zu gründen, ansprechen und ermutigen, sich bei der LAG zu melden.

Das Herz ist das wichtigste Organ des Kreislaufsystems, mit erstaunlichen Leistungen.
Über die biologische Leistungsfähigkeit hinaus wurde dem Herzen früher der Sitz der Seele und des Gefühls zugeordnet. Die Formulierungen: „mit herzlichen Grüßen“, oder „herzlichen Dank“, oder das Herz als Symbol für die Liebe zeugen davon.

Deshalb fühlen wir uns auch bei Erkrankung des Herzens besonders betroffen.
Leider sind Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems mit ca. 400.000 Todesfällen im Jahr mit Abstand die häufigste Todesursache in Deutschland. Daran konnte auch die hochentwickelte Herzmedizin nur wenig ändern.

Selbsthilfe.jpgBei einem gravierenden Herz-Kreislaufereignis, wie einem Herzinfarkt, greift ein 3-phasiges Behandlungskonzept. Es beginnt mit einem Noteinsatz des Rettungsdienstes und einer Akut-Behandlung in einem Spezialkrankenhaus. Im Regelfall schließt sich ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Reha-Klinik an. Neben der medizinischen Behandlung wird hier auf das Annehmen und die Bewältigung der Erkrankung und auf einen gesunden Lebensstil hingewirkt.

Für den Betroffenen eine wertvolle Zeit, in der er sich auf das Leben nach und mit der Erkrankung vorbereiten kann. Derweil bleibt der Partner in der Regel daheim mit seinen Ängsten, der Ungewissheit und ggf. mit Schuldgefühlen allein.
Zunehmend wird durch moderne Behandlungsmethoden, wie Stents und durch die wirtschaftliche Situation auf einen Reha-Aufenthalt verzichtet. Dann wird der Betroffene mit seinen Ängsten nach Hause entlassen. Hier beginnt die Bewährungsprobe, den erreichten Gesundheitsstand zu stabilisieren und langfristig zu sichern.

In einer wohnortnahen Herzsportgruppe können die Betroffenen unter geschulter Anleitung und ärztlicher Aufsicht wieder an ihre Belastungsgrenze herangeführt werden.
Natürlich ist der Hausarzt ein wichtigerer Ansprechpartner. Der Schwerpunkt liegt auf der medizinischen Behandlung und Versorgung. Beratende Gespräche können in der Praxis nur unter Zeitdruck und nicht auf Augenhöhe geführt werden.

Diese Lücke wird in idealer Weise durch eine Selbsthilfegruppe geschlossen. Hier treffen sich
Betroffene und ihre Angehörigen regelmäßig in ungezwungener Atmosphäre. Neulinge können von „Alten Hasen“ lernen. Bereits länger Betroffene, die gelernt haben, ihre Erkrankung zu akzeptieren und eine neue Lebensqualität entwickelt haben, können ihre Erfahrungen weitergeben. Alleine zu erleben, dass es viele Menschen gibt, die mit ihrer Erkrankung ein erfülltes Leben führen, ist ein Erlebnis.

Ein Herzinfarkt kommt selten wie ein Blitz aus heiterem Himmel, er kündigt sich z.B. durch soziale Zurückgezogenheit an. Die Teilnahme an gemeinsamen Treffen, um dort von seiner
Situation zu berichten und die Gewissheit zu haben, auf offene Ohren (und Herzen) zu stoßen, ist für sich ein wichtiger Therapieaspekt. Durch Vorträge von Fachreferenten und die anschließende Diskussion mit ihnen wird wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet. Das gesamte medizinische und soziale Umfeld wird dadurch transparenter und die neue Situation wird als weniger bedrohlich empfunden.

Jeder kann seinen Anteil zur lebendigen Gestaltung seiner Selbsthilfegruppe einbringen. Bisher aktive Menschen, die wegen Ihrer Erkrankung aus der Berufswelt ausgegliedert wurden, erhalten die Chance, z.B. als Leiter einer Selbsthilfegruppe eine neue Aufgabe anzunehmen und auszufüllen. Ein Ehrenamt, das viele positive Seiten hat und das Selbstwertgefühl stärkt.
Die LAG ist der Ansprechpartner für Vorbeugung und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen. Die LAG hat sich zum Ziel gesetzt, flächendeckend in Schleswig-Holstein die Gründung von Selbsthilfegruppen zu fördern und diese ständig aktiv zu begleiten.

Wenn Sie als Betroffener, Angehöriger, oder Interessierter die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe wünschen, teilen Sie uns das bitte mit.